Das ist nicht einfach zu lesen!

Das ist das Feedback, welches wir teilweise von Freunden und Bekannten erhalten haben, die sich Band 1 der Trilogie geschnappt und durchgelesen haben.

Das ist natürlich nicht gerade das, was man hören möchte, nachdem man sich monate- bzw. genau genommen sogar jahrelang zu dritt mit dem Text und jedem einzelnen Satz intensiv auseinandergesetzt hat.

Um vielleicht auch hier für etwas mehr Transparenz zu sorgen, möchten wir im Folgenden auf die möglichen Ursachen eingehen:

  1. Das Thema an sich ist alles andere als einfach
  2. Die im Buch vorgestellten Ideen, Konzepte und Modelle sind teilweise sehr revolutionär und fremdartig und damit extrem gewöhnungsbedürftig.
  3. Die Formulierungen im Original sind oft alles andere als einfach.
 

1.  Das Thema an sich ist alles andere als einfach

Wie schon erwähnt behandelt ein Buch, welches die Natur der Realität vollständig beschreibt, d.h. auch Phänomene außerhalb unserer anfassbaren gewohnten Umgebung miteinbezieht, per se kein leichtes Thema. Philosophie-Bücher haben nicht gerade den Ruf, sich leicht zu lesen. Physik-Bücher ebenfalls nicht. Wenn dann noch Bewusstsein, Metaphysik und der Ursprung aller Existenz dazukommen, wird es sicherlich nicht leichter, die verwendeten Fachbegriffe nicht gerade weniger und auch die Teminologie generell nicht gerade einfacher. Wenn dann en passant auch noch die bisherigen (scheinbaren) Widersprüche zwischen Quantenphysik und Relativitätstheorie aufgelöst werden, dann wird der geneigte Leser natürlich etwas mehr gefordert, als bei einem durchschnittlichen Roman.
  

2. Die im Buch vorgestellten Ideen, Konzepte und Modelle sind teilweise sehr revolutionär und fremdartig und damit extrem gewöhnungsbedürftig.

Mit den Eigenheiten des Bewusstseins beschäftigt sich allenfalls die Psychologie und das aus Sicht des großen Gesamtbildes auch nur mit einem kleinen Ausschnitt davon. Auch wenn am Ende – nachdem man das Buch einmal durchgearbeitet und verstanden hat – alle Einzelteile zu einem großen, wunderschönen und letztlich auch einfachen Gesamtbild zusammenfallen, so stellt Thomas Campbell in seiner Trilogie zwangsläufig auch Modelle und Gedankenkonstrukte vor, die einem beim ersten Lesen fremdartig und ungewohnt vorkommen, weil man sich über so etwas noch nie zuvor Gedanken gemacht oder gar darüber gelesen hat. Auch das trägt natürlich nicht gerade zu einem schnellen Lesefluss bei.
 

3. Die Formulierungen im Original sind oft alles andere als einfach.
 
Wer auch nur ein Video mit Thomas Campbell gesehen hat, weiß, dass er kein Mann weniger Worte ist. Er selber ist übrigens der Erste, der das zugibt und reißt auch gerne mal einen Witz darüber.
 
Allerdings ist das Resultat, dass sich auch im Buch oft sehr lange und verschachtelte Sätze wiederfinden. Dies stellt uns als Übersetzer natürlich vor die Frage, ob wir jetzt das Buch nur übersetzen und den Stil (mitsamt Tonalität und Humor) des Autors möglichst original ins Deutsche transportieren wollen. Oder ob wir uns dazu berufen fühlen (uns damit in gewisser Weise anmaßen), Sätze auch einfach umzuformulieren. Was wiederum das Risiko birgt, dass dabei auch durchaus einmal der Sinn oder zumindest die Betonung verändert werden können. Wir haben uns meist dafür entschieden, das Buch so nah am Original wie möglich zu übersetzen.
 
Wenn Tom es allerdings zu weit getrieben haben sollte und man an einer Stelle auch einfach mal einen Punkt anstelle eines Kommas setzen und dann mit einem neuen Hauptsatz weitermachen konnte, dann haben wir das natürlich getan. Genauso, wie wir unklare Bezüge – teilweise nach Rücksprache mit Tom – dann im deutschen durch eine Formulierung mit einem eindeutigen Bezug ersetzt haben. Und so manchen Satz, der wirklich extrem schwer zu lesen war, haben wir mit Hilfe einer etwas klareren Ausdrucksweise im Deutschen verständlicher gemacht, wenn der Sinn und der Inhalt dadurch ganz sicher nicht verändert wurden.
 
Auch hier vielleicht zur Verdeutlichung ein paar Beispiele:
 
In einem humorvollen und insgesamt sehr umgangssprachlich formulierten Einschub in Kapitel 30 schreibt Tom „Here comes AUM ladies and gentlemen! The One, the Only – the Source of All That Is, the generator of reality! All right! Let’s give AUM a big round of digital applause! Get those digits moving folks!
 

Nachdem Tom vorher schon diverse Anspielungen auf binäre Systeme gemacht hat, z.B. dass man nicht nur untätig Nullen auf seinem Bewusstseins-Bildschirm zur Anzeige bringen soll, macht er nun nach der Aufforderung zum „digitalen Applaus“ das schöne Wortspiel „get those digits moving“. Zum einen meint „digits“ im Englischen „Zahlen“ oder „Ziffern“ und zum anderen „Finger“. D.h. Tom spielt hier darauf an, dass man zum Applaudieren seine Finger (Hände) bewegen und damit gleichzeitig die Zahlen im digitalen System in Bewegung bringen soll. Dieses Wortspiel lässt sich natürlich mangels derselben doppelten Bedeutung im Deutschen nicht einmal ansatzweise in der Übersetzung transportieren und weder ein „Bringt Eure Hände in Bewegung, Leute“ und noch viel weniger ein „Bringt Eure Zahlen in Bewegung, Leute“ hätten an der Stelle viel Sinn gemacht, weshalb wir ersatzweise dann zu  dieser Übersetzung gelangt sind:

„Hier kommt AUM, meine Damen und Herren! Das Eine, das einzig Wahre – die Quelle von Allem was ist, der Erschaffer der Realität! Okay, lassen Sie uns AUM mit einem kräftigen digitalen Applaus begrüßen. Und Eins kann ich euch sagen, Leute: Null Einsatz zählt nicht!“

Da dieser Teil nicht wirklich die Theorie erläutert, sondern dem Leser etwas Luft beim Verdauen des Konzeptes verschaffen soll, war uns der Humor an dieser Stelle wichtiger als der konkrete Inhalt.


Die Überschrift von Kapitel 33 lautet im Original: „Infinity
Gets Too Big for Real Britches“.
 
Der Satz  „You’re getting too big for your britches“ (wörtlich: Du bist dabei, zu groß für Deine Hosen zu werden) ist eine amerikanische Redensart, die typischerweise von einem älteren Menschen zu einem Kind gesagt wird, welches sich gerade mit einer Aussage oder einer Handlung etwas weit aus dem Fenster gelehnt hat und nun droht deswegen möglicherweise – um in der Metapher zu bleiben – abzustürzen. Generell wird es als Warnung gegenüber jemandem verwendet, der gerade dabei ist, zu sehr anzugeben oder Anzeichen von Größenwahn zu zeigen bzw. anderweitig massiv zu übertreiben.
Tom wollte hier durch die Verwendung dieser Redensart zum Ausdruck bringen, dass Unendlichkeit als theoretisches mathematisches Konzept zwar grundsätzlich ganz interessant ist, für einen Physiker, der mit realen Dingen zu tun hat, aber in der Regel eine Unmöglichkeit
darstellt und für seinen Geschmack auch etwas zu häufig in der Wissenschaft und bei anderen Gelegenheiten verwendet wird. So wie inzwischen beispielsweise die Astrophysiker von dem Konzept eines unendlich großen Universums auch abgerückt sind.

Hier hatten wir sogar noch das Glück, dass dem damaligen Admin des englischen MBT-Forums die Schwierigkeit dieser Überschrift für Übersetzer selber aufgefallen war und er dazu ein paar erläuternde Sätze geschrieben hatte.
 

Am Ende haben wir daraus die folgende Formulierung gemacht: „Unendlichkeit wird irgendwann selbst echtem Größenwahn zu groß“. Das ist einer der Fälle, wo wir selber zwar nicht 100%ig zufrieden mit dem Ergebnis sind, aber zumindest halbwegs den Inhalt der Anspielungen von Tom halbwegs transportieren konnten.

 
more to follow soon…

Aus dem Nähkästchen…

Den einen oder anderen Leser der deutschen Übersetzung von My Big TOE interessiert es vielleicht, etwas mehr über die Arbeit an der Übersetzung zu erfahren. Hier sind Sie dafür genau richtig.

Vielleicht erstmal ein paar knappe Worte zum Übersetzer-Team selber:
Wir sind über drei Städte (Berlin, Bremen und Köln) verteilt und alle drei keine professionellen Übersetzer. Wir verfügen allerdings über ein gutes bis sehr gutes englisches Sprachverständnis und eine gewisse Begabung und Begeisterung hinsichtlich der Formulierung von Sätzen in unserer Muttersprache. Und noch viel wichtiger: die Überzeugung und das notwendige Durchhaltevermögen, ein 820 Seiten dickes Buch überhaupt in Angriff zu nehmen.

Denn eines war uns und auch dem Autor des englischen Originals von vorneherein klar: das Buch wird kein so großer kommerzieller Erfolg werden, dass ein auf Übersetzungen spezialisierter Verlag sich dieses Projektes annehmen würde. Dazu ist My Big TOE einfach zu sehr in der schmalen Nische zwischen der vorwiegend physisch-materialistisch geprägten Wissenschaft und der üblichen esoterischen Literatur eingeklemmt, als dass dieses Buch in der nahen Zukunft eine breite Masse an Menschen ansprechen könnte und würde.

Für die meisten Menschen sind Themen wie Metaphysik und Bewusstsein bereits zu abgehoben, um sich damit ernsthaft oder gar wissenschaftlich näher zu beschäftigen. Und für die meisten Esoteriker ist die Sprache von My Big TOE einfach zu technisch, der Aufbau zu logisch und viele Teile des Modelles selbst für sie zu revolutionär, um sich damit intensiv auseinanderzusetzen. Und selbst so manche erfahrenen Meditierenden und Astralreisenden oder beharrlichen Erforscher paranormaler Phänomene scheinen sich einer gewissen behaglichen Mystik beraubt zu fühlen, wenn ihnen jemand plötzlich bis ins Detail logisch erklärt, wie die Realität jenseits unserer gewohnten dreimensionalen Welt aufgebaut ist und warum paranormale Phänomene im Grunde genommen gar nicht paranormal sondern völlig normal sind.

Dabei muss der Verlust des Staunens über die Großartigkeit unserer Realität gar nicht die zwangsläufige Folge sein. Nur weil jemand sich einer modernen Sprache aus der Computer- und Simulationswelt bedient, um Vergleiche und Metaphern zu formulieren, verliert unsere Welt doch nichts automatisch von ihrer Faszination. Oder wie Einstein es so schön ausgedrückt hat: “Es gibt zwei Arten sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles eines. Ich glaube an Letzteres.”

My Big TOE zu übersetzen ist allerdings wirklich eine Herausforderung.
Nicht nur, weil das Thema an sich schon alles andere als einfach ist, sondern – auch wenn Thomas Campbell sein Werk ausdrücklich für Laien geschrieben hat – der Inhalt zwangsläufig Physik, Philosophie, Metaphysik und die Informatik streifen muss, um unsere Realität zu erklären. Und auch, weil viele in diesem Buch vorgestellten Konzepte, Ideen und Modelle teilweise so neu und revolutionär sind, dass sie selbst dann nicht einfach zu verstehen wären, wenn sie in einer Sprache für Grundschüler in der ersten Klasse geschrieben würden. Aber vor allem auch, weil der Autor eine Neigung zu langen und verschachtelten Satzkonstruktionen hat und obendrein ein englisches Vokabular benutzt, welches spürbar über den Umfang eines durchschnittlichen englischen Buches hinausgeht.

Ein paar Beispiele gefällig? Für gewöhnlich kennen die meisten Menschen mit guten Englischkenntnissen zwei bis drei engl. Begriffe für „Flut“:

  1. flood
  2. tide
  3. und vielleicht noch surge
Tom verwendete jedoch stattdessen an einer Stelle das Wort „spate“.
 
Darüberhinaus ist sein Buch gespickt mit Redewendungen wie „chips from the old block“, eigenen Wortschöpfungen wie „what-if world-lines“ und Anspielungen auf Begriffe aus der US-amerikanischen Kultur wie z.B. einer bekannten TV-Serie aus den 50er Jahren namens „The Lone Ranger“, dem Kinofilm „Ghostbusters“, Kinderspielen wie „King of the Hill“, Modeerscheinigungen wie „Pet Rocks“ und „Beanie Babies“ oder Kinderreimen wie „Humpty Dumpty“. Wenn diese Bezüge dann noch mit Wortspielen verknüpft werden, ist viel Kreativität und Teamwork gefragt, um zu einer Lösung zu kommen, die den Geist des Originaltextes bewahrt ohne dabei den Humor auf der Strecke zu lassen oder umgekehrt.
 
Dasselbe gilt natürlich auch für Begriffe beispielsweise aus der Quantenphysik, wenn Tom eine zentrale Besonderheit unserer Realität in Anspielung auf die bekannte heisenberg’sche Unschärferelation als „psi uncertainty principle“ bezeichnet.
 
Aber selbst ohne diese speziellen zusätzlichen Hürden fängt der Spaß bereits bei einfachen Standardbegriffen wie „Bewusstsein“ an. Im Englischen sind hier die Worte „awareness“ und „consciousness“ auch in der Umgangssprache üblich und häufig gebraucht. Im Deutschen würde man allerdings beides in den allermeisten Situationen einfach mit „Bewusstsein“ übersetzen. Aber in einem Buch, in dem Bewusstsein ein zentrales thematisches Element darstellt, hätte eine solche vereinfachende Zusammenfassung zu ein und demselben Begriff einen erheblichen Genauigkeits- und Informationsverlust zur Folge.
 
Insofern hatten wir zwar einerseits eine Menge Herausforderungen zu bewältigen, aber andererseits auch viel Spaß an der kreativen Lösungsfindung und noch mehr Freude, wenn dann am Ende ein schönes und passendes Ergebnis herauskam. Manchmal als Folge eines spontanen Einfalls und oft als Kette von gegenseitigen Denkanstößen, die dann in gemeinsamen Sitzungen von der nächsten Person aufgegriffen und weiterentwickelt wurden.