Aus dem Nähkästchen…

Den einen oder anderen Leser der deutschen Übersetzung von My Big TOE interessiert es vielleicht, etwas mehr über die Arbeit an der Übersetzung zu erfahren. Hier sind Sie dafür genau richtig.

Vielleicht erstmal ein paar knappe Worte zum Übersetzer-Team selber:
Wir sind über drei Städte (Berlin, Bremen und Köln) verteilt und alle drei keine professionellen Übersetzer. Wir verfügen allerdings über ein gutes bis sehr gutes englisches Sprachverständnis und eine gewisse Begabung und Begeisterung hinsichtlich der Formulierung von Sätzen in unserer Muttersprache. Und noch viel wichtiger: die Überzeugung und das notwendige Durchhaltevermögen, ein 820 Seiten dickes Buch überhaupt in Angriff zu nehmen.

Denn eines war uns und auch dem Autor des englischen Originals von vorneherein klar: das Buch wird kein so großer kommerzieller Erfolg werden, dass ein auf Übersetzungen spezialisierter Verlag sich dieses Projektes annehmen würde. Dazu ist My Big TOE einfach zu sehr in der schmalen Nische zwischen der vorwiegend physisch-materialistisch geprägten Wissenschaft und der üblichen esoterischen Literatur eingeklemmt, als dass dieses Buch in der nahen Zukunft eine breite Masse an Menschen ansprechen könnte und würde.

Für die meisten Menschen sind Themen wie Metaphysik und Bewusstsein bereits zu abgehoben, um sich damit ernsthaft oder gar wissenschaftlich näher zu beschäftigen. Und für die meisten Esoteriker ist die Sprache von My Big TOE einfach zu technisch, der Aufbau zu logisch und viele Teile des Modelles selbst für sie zu revolutionär, um sich damit intensiv auseinanderzusetzen. Und selbst so manche erfahrenen Meditierenden und Astralreisenden oder beharrlichen Erforscher paranormaler Phänomene scheinen sich einer gewissen behaglichen Mystik beraubt zu fühlen, wenn ihnen jemand plötzlich bis ins Detail logisch erklärt, wie die Realität jenseits unserer gewohnten dreimensionalen Welt aufgebaut ist und warum paranormale Phänomene im Grunde genommen gar nicht paranormal sondern völlig normal sind.

Dabei muss der Verlust des Staunens über die Großartigkeit unserer Realität gar nicht die zwangsläufige Folge sein. Nur weil jemand sich einer modernen Sprache aus der Computer- und Simulationswelt bedient, um Vergleiche und Metaphern zu formulieren, verliert unsere Welt doch nichts automatisch von ihrer Faszination. Oder wie Einstein es so schön ausgedrückt hat: “Es gibt zwei Arten sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles eines. Ich glaube an Letzteres.”

My Big TOE zu übersetzen ist allerdings wirklich eine Herausforderung.
Nicht nur, weil das Thema an sich schon alles andere als einfach ist, sondern – auch wenn Thomas Campbell sein Werk ausdrücklich für Laien geschrieben hat – der Inhalt zwangsläufig Physik, Philosophie, Metaphysik und die Informatik streifen muss, um unsere Realität zu erklären. Und auch, weil viele in diesem Buch vorgestellten Konzepte, Ideen und Modelle teilweise so neu und revolutionär sind, dass sie selbst dann nicht einfach zu verstehen wären, wenn sie in einer Sprache für Grundschüler in der ersten Klasse geschrieben würden. Aber vor allem auch, weil der Autor eine Neigung zu langen und verschachtelten Satzkonstruktionen hat und obendrein ein englisches Vokabular benutzt, welches spürbar über den Umfang eines durchschnittlichen englischen Buches hinausgeht.

Ein paar Beispiele gefällig? Für gewöhnlich kennen die meisten Menschen mit guten Englischkenntnissen zwei bis drei engl. Begriffe für „Flut“:

  1. flood
  2. tide
  3. und vielleicht noch surge
Tom verwendete jedoch stattdessen an einer Stelle das Wort „spate“.
 
Darüberhinaus ist sein Buch gespickt mit Redewendungen wie „chips from the old block“, eigenen Wortschöpfungen wie „what-if world-lines“ und Anspielungen auf Begriffe aus der US-amerikanischen Kultur wie z.B. einer bekannten TV-Serie aus den 50er Jahren namens „The Lone Ranger“, dem Kinofilm „Ghostbusters“, Kinderspielen wie „King of the Hill“, Modeerscheinigungen wie „Pet Rocks“ und „Beanie Babies“ oder Kinderreimen wie „Humpty Dumpty“. Wenn diese Bezüge dann noch mit Wortspielen verknüpft werden, ist viel Kreativität und Teamwork gefragt, um zu einer Lösung zu kommen, die den Geist des Originaltextes bewahrt ohne dabei den Humor auf der Strecke zu lassen oder umgekehrt.
 
Dasselbe gilt natürlich auch für Begriffe beispielsweise aus der Quantenphysik, wenn Tom eine zentrale Besonderheit unserer Realität in Anspielung auf die bekannte heisenberg’sche Unschärferelation als „psi uncertainty principle“ bezeichnet.
 
Aber selbst ohne diese speziellen zusätzlichen Hürden fängt der Spaß bereits bei einfachen Standardbegriffen wie „Bewusstsein“ an. Im Englischen sind hier die Worte „awareness“ und „consciousness“ auch in der Umgangssprache üblich und häufig gebraucht. Im Deutschen würde man allerdings beides in den allermeisten Situationen einfach mit „Bewusstsein“ übersetzen. Aber in einem Buch, in dem Bewusstsein ein zentrales thematisches Element darstellt, hätte eine solche vereinfachende Zusammenfassung zu ein und demselben Begriff einen erheblichen Genauigkeits- und Informationsverlust zur Folge.
 
Insofern hatten wir zwar einerseits eine Menge Herausforderungen zu bewältigen, aber andererseits auch viel Spaß an der kreativen Lösungsfindung und noch mehr Freude, wenn dann am Ende ein schönes und passendes Ergebnis herauskam. Manchmal als Folge eines spontanen Einfalls und oft als Kette von gegenseitigen Denkanstößen, die dann in gemeinsamen Sitzungen von der nächsten Person aufgegriffen und weiterentwickelt wurden.
 

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